Fragen Sie bitte nie einen Wiener nach dem Namen eines bestimmten Bezirks. Der tut nichts zur Sache. Viele Wiener kommen sogar ins Stottern, wenn man nach den Namen der Stadtteile fragt. Wien besteht nicht aus Namen, sondern Nummern.
Von Wiener Bezirk 1 bis Bezirk 23
Geographisch teilt sich die Haupstadt Österreichs grob gesprochen in vier Bereiche: Da gibt es erst einmal die Mitte, den 1. Wiener Bezirk. Rund um den Ersten führt die Ringstrasse - unter Kaiser Franz Josef anstelle der alten Stadtmauer inklusive unzähliger Palais ab 1857 errichtet. Zwischen dem Ring und der zweiten Umfahrungsstrasse-dem Gürtel-liegen die Wiener Bezirke 2 bis 9. Jenseits des Gürtels südlich der Wiener Innenstadt bzw. in den Weinbergen der Wienerwald-ausläufer nördlich und westlich des 1. Bezirks finden sich die Wiener Bezirke 10 bis 20. Stadtteil Nummer 21 und 22 liegen jenseits der Donau und heißen deshalb im Volksmund Transdanubien.
Der 1.Wiener Bezirk: Innere Stadt:
Hier ist, wie der Name schon sagt die erste und beste Adresse der Stadt. Die nobelsten Geschäfte, die teuersten Hotels, die wichtigsten Politiker, Burg-theater, Bundespräsident und last but not least die meisten historischen Denkmäler. Sie alle haben ihren Sitz in der Inneren Stadt, wie der 1.Bezirk mit vollem Namen heißt. Rein architektonisch findet sich hier das mittelalterliche Wien, mit seinen Gässchen und Durchgängen. Oft erwecken Sie den Eindruck, dass einem am nächsten Hauseingang Wolfgang Amadeus Mozart persönlich in die Arme laufen wird. Mitten durch den ersten Bezirk-beginnend bei der Oper-läuft die Kärntner-strasse. Fußgängerzone und Geschäftsmeile. Sie endet am Stephansplatz. Linkerhand zweigt der Graben ab, die wahre Nobelmeile der Stadt. Im Wiener Gassengewirr finden sich hier Designerläden von Chanel bis Prada, Antiquitäten-läden, Juweliere und Wiens älteste und gemütlichste Kaffehäuser, wie das Bräunerhof, das Cafe Central, das Diglas oder das Prückl.
Der 2.Wiener Bezirk: Leopoldstadt: Schnitzler, Strauss und Mahler
Die Leopoldstadt ist großteils ein nicht gerade schicker Wohnbezirk, eingerahmt von Donaukanal und Donaufluß. Hauptattraktion ist hier der Wiener Prater - sowohl der Vergnügungspark mit dem Riesenrad als auch das Naherholungs-gebiet. Zwischen 1600 und 1938 war der 2. Bezirk außerdem das Zentrum der jüdischen Gemeinde Wiens. Die Strauss Familie, Sigmund Freud, Gustav Mahler, Arthur Schnitzler und Theodor Herzl -sie alle lebten hier, bevor es ihnen der Erfolg ermöglichte, in teurere Wiener Viertel zu ziehen.
Der 3.Wiener Bezirk: Landstrasse: Arm und Nobel
Dieser Bezirk grenzt östlich und südöstlich an die Innere Stadt an und ist ein Arbeiterbezirk mit einem hohen Prozentsatz an ausländischer Bevölkerung, hauptsächlich Flüchtlinge aus dem ehemaligen Ostblock und Jugoslawien. Einzige Ausnahme ist das Botschaftsviertel nahe bei Schwarzenbergplatz und Belvedere: Hier finden sich noble Wiener Patrizierhäuser sowie teure Hotels und feine Restaurants. Die Hauptattraktion des 3.Wiener Bezirks ist das Belvedere, das vielleicht schönste Barockschloß der Stadt. Die anderen Sehenswürdig-keiten, das Hundertwasserhaus sowie das Wittgensteinhaus und Museen liegen über den ganzen Bezirk verstreut.
Der 4.Wiener Bezirk: Wieden: Vom Belvedere zum Naschmarkt
In Wieden-gelegen zwischen Karlsplatz, Wienzeile und Gürtel-geht es schon etwas nobler zu als in angrenzenden 3.Wiener Bezirk. Der 4. ist einer der besseren Wohnbezirke in Innenstadtnähe, mit Patrizierhäusern, hübschen Restaurants und schicken Bars. Hier finden sich das Radiokulturhaus, das Theresianum und natürlich der Naschmarkt-Wiens größtes, schönster und abenteuerlichster Markt.
Der 5.Wiener Bezirk: Margarethen
Margarethen, angrenzend an Wieden, zwischen Gürtel und Wienzeile, ist größtenteils ein recht düsterer Wiener Arbeiterbezirk, der außer des allsams-täglichen Flohmarkts keine wirklich nennenswerten Attraktionen bietet.
Der 6. und 7.Wiener Bezirk: Mariahilf und Neubau: Künstler, Studenten, Bohemiens
Zwischen Wienzeile und Lerchenfelderstrasse, zwischen Ringstrasse und Gürtel findet man Mariahilf und Neubau, getrennt durch Wiens größte Einkaufsmeile, die Mariahilferstrasse. In den 60er und 70er Jahren waren der 6. und 7.Wiener Bezirk ziemlich heruntergekommen und verarmt. Viele jüdische Textilfabriken und Manufakturen waren dort ansässig und die Wohnungen sehr günstig, was vor allem arme Künstler und Studenten anzog. Heute sind aus den Fabriken längst schicke Lofts geworden. Das wunderschöne Biedermeierquartier Spittelberg wurde vor dem Abriß gerettet, die Mariahilferstrasse hat sich seit ihrem Umbau Mitte der 90er Jahre zur belebten Einkaufsstrasse gemausert. Unzählige Restaurants, Bars und Nightclubs machen die beiden Wiener Bezirke zu einem Zentrum des Wiener Nachtlebens.
Der 8. und 9.Wiener Bezirk: Josefstadt und Aisergrund: Gutbürgerlich
Zwischen Ringstrasse und Gürtel, zwischen Lerchenfelderstrasse und Donaukanal befinden sich die Bezirke Josefstadt und Aisergrund, beides sehr hübsche, gutbürgerliche Wiener Wohnbezirke mit großen alten Patrizier-häusern. Viele wohlhabende Wiener, die die Nähe zum Stadtzentrum einer Villa in den Wienerwaldhügeln vorziehen, leben hier. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen-neben sehr schönen Restaurants und coolen Bars-die Volksoper, das Theater in der Josefstadt sowie das Freud-Wohnhaus in der Berggasse im 9.Wiener Bezirk.
Der 10., 11. und 12.Wiener Bezirk: Favoriten, Simmering, Meidling: Arbeitervorstadt
Zwar finden sich hier Sehenswürdigkeiten wie der Zentralfriedhof in Simmering, dennoch sind Favoriten, Simmering und Meidling eher triste und unattraktive Wiener Wohnbezirke, dominiert vom Sozialen Wohnbau-von den Miets-kasernen der 20er Jahre bis hin zu Monstersiedlungen der Siebziger, Achtziger und Neunziger.
Der 13.Wiener Bezirk-Hietzing: Gärten, Villen und Paläste
Neben der Wienerwald-Bezirken Hernais, Währing und Döbling Wiens zweite große Nobelgegend:Große Villen mit noch größeren Gärten dominieren das Stadtbild um so schöner, je weiter man stadtauswärts kommt. Die Häuser reichen von adligen Sommerresidenzen im Biedermeier-Stil aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu Jugendstil-Villen, die bevorzugte Bauart der reichen Geschäftsleute des frühen 20. Jahrhunderts. In Hietzing befinden sich außerdem Schloß Schönbrunn sowie der Lainzer Tiergarten, einst Jagdgebiet des Kaisers und heute der zweitgrößte Park Wiens nach dem Prater.
Der 14., 15. und 16.Wiener Bezirk-Rudolfsheim und Ottakring: Gründerzeit
Gründerzeit-Viertel jenseits des Gürtels, heute größtenteils umgewandelt zu heruntergekommenen Gast- arbeiterquartieren. Der 15. Bezirk hat den höchsten Ausländeranteil Wiens. Viele Wohnungen sind hier immer noch so wie vor 100 Jahren: Ohne Badezimmer, mit Waschbecken und Toiletten am Gang. Durch die Weiterführung der U3 und der damit einhergehenden Renovierung aber sicher zwei Wiener Bezirke mit Zukunft. Ottakring hat zudem auch Anteil an den Wienerwaldhügeln, mit dem Schloß Wilhelminenberg, der Villa Aurora und ein paar hübschen Aussichtswarten.
Der 17, 18- und 19.Wiener Bezirk: Hernais, Währing, Döbling: Villen, Weinberge, Wienerwald
Jenseits des Gürtels, im Nordwesten der Stadt, werden die Villen größer, die Gegend grüner und die Strassenzüge nobler, je weiter man sich hügelaufwärts von der Stadtmitte entfernt. Wer teuer, schön und mit grandioser Aussicht im Grünen wohnen will, der zieht hierher. In diesen Bezirken gibt es viele wunder-schöne Heurige (wie etwa das berühmte Grinzing in 19.Bezirk), man kann lauschige Spaziergänge durch den Wienerwald machen und findet viel Ruhe. In Döbling liegt außerdem das mit Sicherheit nobelste und wahrscheinlich schönste Freibad Wiens, das Krapfenwaldlbad: Gelegen auf einer Hügelkuppe hat man von hier eine absolut grandiose Aussicht über die ganze Stadt.
Der 20.Wiener Bezirk-Brigittenau: Der jüngste Bezirk
Zu einem grossen Teil nach der Donauregulierung entstanden, aus dem gewonnenen Neuland. Brigittenau verfügt über kein markantes historisches Zentrum. 1900 wurde er vom 2.Wiener Bezirk abgetrennt und zum vollständigen 20.Wiener Bezirk gemacht. Brigittenau, nach der 1645 erbaute Brigittakapelle genannt, enthält den Hannover Markt und das Millenium-City Büroturm.
Der 21. und 22.Wiener Bezirk: Floridsdorf und Donaustadt: Transdanubien
Trotz des abfälligen Namens, den die beiden Bezirke aufgrund ihrer Lage und Entfernung von den Wienern erhalten haben, besitzen die Bezirke Floridsdorf und Donaustadt die begehrtesten Naherholungsgebiete der Stadt:
Die Donauinsel-wie der Name sagt ein langes, künstliches Eiland in der Donau-
ist ein Paradies für Radler, Skater, Sonnenhungrige, und Spaziergänger. Im Sommer spielt sich hier ein großer Teil des Wiener Nachtlebens ab. Beide Wiener Bezirke werden dominiert von kleinen Einfamilienhäusern und Gemeindebauten (Sozialwohnungen). Nachdem die Wohnungen hier ziemlich günstig sind, kann es in dieser Gegend manchmal ziemlich rauh zugehen, aber für viele sind die Gemeindebauten der Donaustadt “der Ort, wo der echte Wiener wohnt”, verewigt in Fernsehserien wie Ein echter Wiener geht nicht unter oder Kaisermühlenblues, die vom Leben und Leiden der einfachen Wiener Bevölkerung handeln.
Der 23.Wiener Bezirk-Liesing: Einfamilienhäuser, Wohnsilos und Heurige
Der 23.Wiener Bezirk, am südlichen Stadtrand ist so riesig, daß er von kleinen Einfamilienhäusern, riesigen Wohnanlagen und hübschen Heurigen alles umfaßt. Orte wie Atzgersdorf und Mauer gehören zum 23.Wiener Bezirk, auch wenn man ob ihrer ländlichen Atmosphäre kaum glauben mag, dass man das Stadtgebiet Wiens noch nicht verlassen hat. Besondere Sehenswürdigkeiten gibt es hier bis auf ein paar nette Heurigengegenden keine.

